Wärmedämmung

WDVS: Aufbau, Dämmstoffe und Ablauf

Wie ein Wärmedämmverbundsystem aufgebaut ist, welche Dämmstoffe es gibt, was beim Brandschutz gilt und wie die Montage an der Fassade abläuft.

7 Min. LesezeitStarlux GmbH

Ein Wärmedämmverbundsystem, kurz WDVS, ist die häufigste Art, eine bestehende Fassade von außen zu dämmen. Der Name sagt es schon: Mehrere Schichten werden fest miteinander verbunden und wirken als ein System. Dieser Ratgeber erklärt den Aufbau, die gängigen Dämmstoffe, die Grundsätze beim Brandschutz und den typischen Ablauf auf der Baustelle.

Der Aufbau von innen nach außen

  1. Tragfähiger Untergrund: Mauerwerk, Beton oder ein vorhandener Altputz, der vorher auf Festigkeit geprüft wurde.
  2. Klebemörtel: Er verbindet die Dämmplatten mit der Wand, je nach System punktuell und wulstig oder vollflächig aufgetragen.
  3. Dämmplatten: zum Beispiel aus expandiertem Polystyrol (EPS), Mineralwolle, Holzfaser oder Mineralschaum.
  4. Dübel: Je nach Untergrund und System werden die Platten zusätzlich zur Verklebung mechanisch befestigt.
  5. Armierungsschicht: Armierungsmörtel mit eingebettetem Gewebe. Sie nimmt Spannungen auf und beugt Rissen vor.
  6. Oberputz: die sichtbare Schlussbeschichtung in der gewünschten Struktur und Farbe, auf Wunsch mit zusätzlichem Anstrich.

Wichtig zu wissen: Ein WDVS ist ein geprüftes System. Kleber, Dämmplatte, Dübel, Armierung und Putz sind aufeinander abgestimmt und stammen vom Systemhersteller, der die Zulassung für genau diese Kombination besitzt. Komponenten verschiedener Hersteller frei zu mischen, ist nicht zulässig.

Die gängigen Dämmstoffe

Wie gut ein Dämmstoff dämmt, beschreibt die Wärmeleitfähigkeit λ (Lambda): Je kleiner der Wert, desto besser. Die folgenden Werte sind typische Spannen; maßgeblich ist immer der Bemessungswert des konkreten Produkts.

Dämmstoff λ in W/(m·K), typisch Brandverhalten (allgemein)
EPS (expandiertes Polystyrol) etwa 0,032 bis 0,040 im WDVS in der Regel schwer entflammbar
Mineralwolle etwa 0,035 bis 0,040 bei WDVS-Platten nichtbrennbar
Holzfaser etwa 0,037 bis 0,055 normal entflammbar, Systemzulassung beachten
Mineralschaum etwa 0,045 mineralisch, Einstufung je Produkt

EPS ist leicht, gut zu verarbeiten und dämmt gut. Mineralwolle ist nichtbrennbar und wird deshalb bei höheren Gebäuden und für Brandriegel eingesetzt; sie verbessert außerdem den Schallschutz. Holzfaser ist ein nachwachsender Rohstoff mit guter Wärmespeicherung. Mineralschaum ist rein mineralisch und diffusionsoffen. Welcher Dämmstoff passt, hängt von Gebäudehöhe, Brandschutz, Untergrund, Budget und persönlichen Vorlieben ab.

Wie dick wird die Dämmung?

Für bestehende Wohngebäude verlangt das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG, vormals GEG) bei einer Dämmung oder Putzerneuerung der Außenwand in der Regel einen U-Wert von höchstens 0,24 W/(m²K). Je nach Dämmstoff sind dafür nach dem Faktenblatt der Thüringer Energie- und GreenTech-Agentur etwa 14 cm (λ 0,035), 16 cm (λ 0,040) oder 18 cm (λ 0,045) nötig. Für eine Förderung über das BAFA liegt die Anforderung strenger, bei einem U-Wert von höchstens 0,20 W/(m²K) (Stand Oktober 2026).

Zur Einordnung: Ungedämmte Außenwände älterer Häuser haben oft U-Werte von etwa 1,5 bis 2,0 W/(m²K), gut gedämmte Wände liegen bei etwa 0,10 bis 0,20. Die genaue Dämmdicke ergibt sich aus dem vorhandenen Wandaufbau und sollte von einem Energieberater oder Planer berechnet werden.

Brandschutz

Die Anforderungen an den Brandschutz hängen von der Gebäudehöhe ab und sind in der Bauordnung des Landes und in der Zulassung des Systems geregelt. Vereinfacht gilt: Bei niedrigen Gebäuden bis etwa 7 m dürfen normal entflammbare Systeme verwendet werden, bei Gebäuden bis 22 m müssen sie mindestens schwer entflammbar sein, bei Hochhäusern nichtbrennbar.

Bei EPS-Dämmung ab einer Dicke von mehr als 100 mm sind zusätzliche Maßnahmen nötig, meist umlaufende Brandriegel: mindestens 200 mm hohe Streifen aus nichtbrennbarer Mineralwolle, die in jedem zweiten Geschoss vollflächig verklebt werden. Hinzu kommt ein Brandriegel im Sockelbereich, der vor einem Brand am Gebäudefuß schützt, etwa durch brennende Mülltonnen. Wo genau die Riegel sitzen, legt die Systemzulassung fest.

Der Ablauf auf der Baustelle

  1. Bestandsaufnahme: Untergrund prüfen, Wandaufbau und Anschlüsse ansehen, Aufmaß nehmen.
  2. Planung: Dämmstoff, Dämmdicke, Brandschutz, Anschlüsse an Fenster, Fensterbänke, Dach und Sockel sowie die Oberfläche festlegen, bei Förderung gemeinsam mit dem Energieberater.
  3. Vorbereitung: Gerüst stellen, Fenster und Flächen schützen, Untergrund reinigen und vorbereiten, Sockelprofil setzen.
  4. Dämmung montieren: Platten im Verband kleben, je nach System dübeln, Anschlüsse mit Dichtbändern ausbilden, Brandriegel einbauen.
  5. Armieren: Armierungsmörtel auftragen und Gewebe einbetten, an Fenster- und Türecken zusätzliche Diagonalarmierung.
  6. Oberputz: Nach ausreichender Standzeit wird der Oberputz in der gewählten Struktur aufgebracht, auf Wunsch gestrichen.
  7. Abnahme: gemeinsame Begehung und Übergabe.

Putz, Kleber und Armierung brauchen frostfreies und trockenes Wetter. Die Hersteller schreiben Mindesttemperaturen für Luft und Untergrund vor. Fassadenarbeiten werden deshalb meist zwischen Frühjahr und Herbst ausgeführt.

Algen auf gedämmten Fassaden

Gut gedämmte Fassaden kühlen nachts stärker ab, weil die Wärme aus dem Haus nicht mehr nach außen dringt. Dadurch bildet sich an der Oberfläche häufiger Tauwasser, und auf Nordseiten oder unter Bäumen können sich Algen und Pilze ansiedeln. Dachüberstände, geeignete Oberputze und Anstriche sowie eine sorgfältige Ausführung von Fensterbänken und Anschlüssen verringern das Risiko.

Typische Fehler, die man vermeiden sollte

  • Systemkomponenten verschiedener Hersteller mischen
  • Untergrund nicht prüfen, etwa hohl liegenden Altputz überdämmen
  • Plattenfugen mit Kleber füllen statt mit passenden Dämmstreifen
  • Anschlüsse an Fenster und Fensterbänke ohne Dichtbänder
  • Armierung zu dünn oder Gewebe nicht überlappend eingebettet

Mehr dazu, wann sich eine Dämmung lohnt und wie die Förderung funktioniert, lesen Sie in den Ratgebern Fassade sanieren: Ablauf und Planung und Förderung für Fassadendämmung.

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