Innenputz ist mehr als eine glatte Schicht unter der Farbe. Er gleicht Unebenheiten im Mauerwerk aus, nimmt Feuchtigkeit aus der Raumluft auf und gibt sie wieder ab, trägt zum Brandschutz bei und bildet die Grundlage für Tapete, Anstrich oder Fliesen. Welcher Putz der richtige ist, hängt vom Raum, vom Untergrund und von der gewünschten Oberfläche ab.
Die wichtigsten Putzarten
Putze werden nach ihrem Bindemittel unterschieden. Das Bindemittel bestimmt, wie fest, wie feuchteunempfindlich und wie diffusionsoffen ein Putz ist. Gipsputze sind in DIN EN 13279 genormt, Putze mit Kalk und Zement in DIN EN 998-1 und Lehmputze in DIN 18947. Planung und Ausführung von Innenputzen beschreibt DIN EN 13914-2 zusammen mit der nationalen Ergänzung DIN 18550-2.
Gipsputz und Kalkgipsputz
Gipsputz ist im Wohnungsbau der häufigste Innenputz. Er lässt sich einlagig auftragen, ist schnell weiter bearbeitbar und kann sehr glatt ausgeführt werden. Damit eignet er sich gut für Wohn-, Schlaf- und Arbeitsräume, Flure und Decken und ist ein guter Untergrund für die Oberflächengüten Q2 bis Q4. Gips kann Feuchtespitzen, etwa nach dem Duschen, aufnehmen und wieder abgeben. Andauernde Durchfeuchtung verträgt er dagegen nicht, weil er dann an Festigkeit verliert. In häuslichen Bädern ist er außerhalb der direkt mit Wasser beanspruchten Bereiche üblich; im Spritzwasserbereich braucht er eine Abdichtung.
Kalkputz
Reiner Kalkputz ist sehr diffusionsoffen und feuchteregulierend und wirkt wegen seiner hohen Alkalität schimmelhemmend. Er wird gern in Altbauten und bei Baudenkmalen eingesetzt, weil er zu altem Mauerwerk und vorhandenen Kalkputzen passt. Kalkputz ist weicher als Zementputz. Einlagig lässt er sich nicht glätten; für eine glatte Oberfläche ist eine zusätzliche Schicht nötig.
Kalkzementputz
Durch den Zementanteil wird der Putz fester als reiner Kalkputz und unempfindlich gegen die im Wohnbereich üblichen Wechsel von Wärme und Feuchte. Kalkzementputz ist deshalb häufig die erste Wahl für Feuchträume, Keller, Sockel und als Untergrund für Fliesen. Auch er ist einlagig nicht glättbar.
Lehmputz
Lehmputz kann besonders viel Feuchtigkeit aus der Raumluft aufnehmen und wieder abgeben und ist pH-neutral. Er wird für Wohn- und Schlafräume, im Holzbau und bei ökologischen Sanierungen geschätzt. Lehm ist allerdings nicht wasserfest: Für Spritzwasserbereiche ist er ungeeignet, und bei dauerhaft hoher Raumfeuchte ist gutes Lüften wichtig.
Welcher Putz in welchen Raum?
| Raum | Häufige Wahl | Darauf achten |
|---|---|---|
| Wohn- und Schlafräume | Gips- oder Kalkgipsputz, Kalkputz, Lehmputz | Oberflächengüte passend zu Tapete oder Anstrich |
| Flure und Treppenhäuser | Gips- oder Kalkgipsputz | stoßfeste Kanten mit Eckschutzprofilen |
| Häusliches Bad | Kalkzementputz, außerhalb des Spritzwasserbereichs auch Gips- oder Kalkputz | Abdichtung im Spritzwasserbereich unter Fliesen |
| Küche | Gipsputz oder Kalkzementputz | je nach Feuchtebelastung und Fliesenspiegel |
| Keller | Kalkzementputz oder Sanierputz | Ursache von Feuchte vorher klären |
| Altbau mit Kalkputz | Kalkputz | Verträglichkeit mit dem vorhandenen Putz |
Im Bad gilt: Nicht der Putz allein schützt die Wand, sondern die Abdichtung unter den Fliesen. Welche Abdichtung nötig ist, hängt davon ab, wie stark eine Fläche mit Wasser beansprucht wird. Die Norm für die Abdichtung von Innenräumen, DIN 18534, teilt das in Wassereinwirkungsklassen ein. Welcher Putz im Einzelfall passt, klärt man am besten vor Ort.
Der Untergrund entscheidet mit
Ein Putz hält nur so gut wie der Untergrund, auf dem er liegt. Vor dem Verputzen wird deshalb geprüft, ob der Untergrund tragfähig, sauber, ausreichend trocken und gleichmäßig saugend ist. Je nach Befund wird vorbehandelt:
- Stark saugende Untergründe wie Porenbeton oder Kalksandstein erhalten eine Grundierung, damit der Putz nicht zu schnell austrocknet.
- Glatte oder dichte Flächen wie Beton bekommen eine Haftbrücke.
- Mischmauerwerk aus verschiedenen Steinen wird an den Übergängen mit Putzgewebe überbrückt, damit sich keine Risse abzeichnen.
- Alter Putz muss fest sein. Hohlstellen, lose oder versandete Bereiche werden entfernt, bevor neu verputzt wird.
Maschinenputz oder Handputz?
Auf großen Flächen wird Putz meist mit der Putzmaschine aufgespritzt und anschließend von Hand abgezogen und geglättet. Das ist schnell und gleichmäßig. Für kleine Flächen, Ausbesserungen und Anschlüsse ist Handputz oft praktischer. Die Qualität entsteht in beiden Fällen bei der Verarbeitung von Hand: beim Abziehen, Filzen oder Glätten.
Oberfläche und Trocknung
Wie glatt die fertige Oberfläche wird, legt die Qualitätsstufe fest. Das reicht von Q1 als Untergrund für Fliesen bis Q4 für glänzende Anstriche. Mehr dazu im Ratgeber Q1 bis Q4: Oberflächengüten verständlich erklärt.
Frischer Putz braucht Zeit zum Trocknen, bevor gestrichen, tapeziert oder gefliest wird. Wie lange, hängt von Putzart, Schichtdicke, Temperatur, Luftfeuchte und Lüftung ab; maßgeblich sind die Angaben des Herstellers. Gleichmäßiges Lüften hilft. Heizlüfter, die direkt auf die Wand gerichtet sind, schaden dagegen, weil der Putz dann zu schnell und ungleichmäßig austrocknet.
Unser Rat
Klären Sie vor dem Angebot drei Fragen: Wie wird der Raum genutzt, was kommt später auf die Wand, und wie ist der Untergrund beschaffen? Daraus ergeben sich Putzart, Vorbehandlung und Oberflächengüte fast von selbst. Bei Altbauten lohnt ein genauer Blick auf den vorhandenen Putz, bevor man sich für ein neues Material entscheidet.
Quellen
- Bundesverband der Gipsindustrie e. V. u. a.: Merkblatt 5 „Bäder und Feuchträume im Holz- und Trockenbau“, Abschnitte 4.2.5 und 4.2.6, PDF, abgerufen am 31.10.2026
- Bundesverband der Gipsindustrie e. V., Industriegruppe Baugipse: Merkblatt 3 „Putzoberflächen im Innenbereich“, Juli 2021, Abschnitt 4.2.1, PDF über die WKO, abgerufen am 31.10.2026
- DIN 18947 „Lehmputzmörtel“, Ausgabe 2024-03, DIN Media; Baunetz Wissen: Normen für den Lehmbau
- DIN EN 13914-2 und DIN 18550-2 (Innenputze), DIN EN 13279-1 (Gipsputze), DIN EN 998-1 (Putzmörtel), DIN 18534 (Abdichtung von Innenräumen), DIN Media



